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 Dunkelheit 
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Beitrag Dunkelheit
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Dunkelheit...


ISBN 978-3-941455-04-7, Paperback,
172 Seiten, € 13,90 (inkl. MwSt.)

Phantastisches und die dunkle Realität.
Begleiten Sie 36 Autoren auf ihrer Reise
vom hellsten Stern bis zur tiefsten, düsteren Grube.

Ein Lesevergnügen nicht nur in dunklen Stunden!


Leseprobe:


Angelika Pauly

Dunkelheit

Es wird so früh dunkel jetzt
viel früher als zu der Zeit
als du noch da warst

eigentlich
wird es gar nicht mehr
so richtig hell

am Himmel
viele dunkle Wolken
kaum Sonne

meisten ist es Nacht
oder es dämmert
und ist neblig

ich sehe
den Garten nicht mehr
auch die Straßen nicht

es ist so verdammt
dunkel geworden
seitdem du fort bist…





Lenita Claassen

Flucht aus der Finsternis

„Wir haben gesündigt!“
Die Stimme des Mönches schallte durch die Dunkelheit. Vor wenigen Augenblicken war der Tag zur Nacht geworden. Eine dunkle Scheibe hatte sich vor die Sonne geschoben und die kleine Stadt im Süden Englands in Dunkelheit versunken lassen. Hysterische Schreie und beunruhigtes Murmeln waren zu hören. „Wir haben gesündigt!“, die Menge nahm die Parole auf, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete.
„Dieses Zeichen ist eindeutig: Gott will uns für unsere Sünden bestrafen!“ Bruder Matthäus Stimme überschlug sich beinahe.
„Wir müssen uns fragen: Was haben wir getan um Gottes Zorn auf uns zu ziehen? Haben wir selbst gesündigt? Haben wir Sündiger in unsere Stube gelassen, ihnen vielleicht sogar Unterschlupf gewährt?“ Ein Raunen erhob sich, die Menge begann erneut zu flüstern und murmeln. Lichter wurden angezündet und ein Fackelmarsch bewegte sich in Richtung Kirche.
„Reinigt eure Seele von der Sünde!“, rief Bruder Matthäus noch einmal schrill, um seinen Worten noch mehr Nachdruck zu verleihen. Mit einem Lächeln auf den Lippen beobachtete er die Menschen, wie sie auf das Gotteshaus zusteuerten. Keiner von ihnen konnte wissen, dass die Sonnenfinsternis angekündigt worden war, und das kam dem Mönch gerade recht. Manchmal war es erschreckend, wie die Menschen ihm Folgten, sobald sie Angst hatten. Wie die Schafe, dachte er bei sich, wie die Schafe!
Doch nicht alle, bemerkte er mit einem Stirnrunzeln. Im Fackelschein hatte er einige Gesichter nicht gefunden. Bestimmt war diese Frau auch unter ihnen, diese gotteslästerliche Hebamme, die behauptete, im Namen Gottes zu handeln!
Nein, Gott steuerte das Geschick der Menschen, alles was geschah, war sein Wille. Ob es nun eine Missernte, ein Schiffsunglück oder eine schwere Geburt war, Gott hatte seine Gründe! Wie konnte eine einfache Frau bloß der Ansicht sein, seinen Willen mit ihrem Handeln in Frage zu stellen? Es könne nur Gottes Wille sein, den Frauen die Geburt zu erleichtern, hatte sie gemeint. Doch hatte Gott den Frauen die Schmerzen der Geburt nicht gegeben um sie für ihren Verrat zu bestrafen?
Nun würde diese Frau schon noch sehen, wohin sie ihr gottloses Handeln führte! Nun hatte das Volk Angst, nun stand es voll und ganz hinter ihm!

In einer Seitengasse zum Marktplatz drückte sich Miranda in einen Hauseingang. In ihren Armen trug sie Frische Laken, Kräuter und ein Buch. Sie fröstelte leicht und sah sich ängstlich um.
Jeder hier in der Stadt wusste, wen Bruder Matthäus gemeint hatte, als er davon Sprach, Sündigern Unterschlupf zu gewähren, und Miranda am allerbesten. Ein eigenes Heim hatte sie nicht. Solange sie bei einer Familie arbeitete, durfte sie dort bleiben, bis die nächste Familie nach ihr rief.
Sie setzte ihren Weg fort und tastete sich an den Wänden entlang. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen und Kälte drang durch ihren dünnen Wollüberwurf. Soeben hatte man wieder nach ihr geschickt.die Frau des Metzgers lag in den Wehen. Eigentlich hätte das Kind erst in einigen Tagen kommen sollen. Miranda wusste, wie gefährlich es sein konnte, zu früh zu entbinden, nicht nur gefährlich für die Mutter, sondern auch für Miranda selbst, die Hebamme. Sollte etwas bei der Geburt schief laufen, würde man sie dafür verantwortlich machen. Genau dies war der Grund, weshalb sie stets eine Bibel bei sich trug.
Zögernd blieb sie vor der Haustür stehen, atmete einmal tief aus und klopfte an.
Keiner antwortete, doch ein schwaches Stöhnen drang aus dem Haus. Miranda stieß die Tür auf und trat ein. Im Dämmerlicht des Schlafzimmers lag die Frau des Metzgers auf dem Bett. Doch entgegen Mirandas Erwartungen zeichnete sich unter dem Hemd nicht der gewölbte Leib einer Schwangeren ab. Der Metzger saß neben der Liegestatt seiner Frau auf einem Hocker und hielt ihre Hand.
„ Gut, dass Du gekommen bist! Die andere Hebamme meinte, alles wäre in Ordnung. Das Kind ist auch gesund, doch sie“, er blickte zu seiner Frau, die mit bleichem Gesicht zu Miranda aufsah, „ Sie hört nicht auf, zu bluten. Bitte hilf uns!“
Miranda stand wie erstarrt in der Tür. Die Gefahr, dass die Frau sterben könnte, war zu groß, doch nun konnte sie nicht mehr zurück. Sie nickte leicht, breitete mit kundigen Handgriffen die frischen Decken aus und tastete den Bauch der Frau ab. Das weiße Laken färbte sich erschreckend schnell rot.
Wie in Trance gab Miranda dem Mann Anweisungen, frisches Wasser zu holen, dann versuchte sie, durch Druck die Blutungen zu stillen. Trotz aller Bemühungen brach der Blutstrom nicht ab und die Frau wurde zusehends schwächer. Miranda wischte sich den Film aus Blut und Schweiß vom Gesicht und griff nach der Bibel. In diesem Augenblick stürmte der Mann auf sie zu und packte nach ihrem Arm.
„Sie darf nicht sterben! Tu doch etwas!“
Miranda wollte sich von ihm losmachen, doch er hielt sie fest. „Ich kann nichts mehr tun. Hättet ihr mich gleich zur Geburt gerufen, hätte ich vielleicht etwas ändern können, doch so nicht. Es tut mir wirklich leid!“
Der Mann starrte sie erst fassungslos an, doch dann mischte sich Zorn in seinen Blick. „Bruder Matthäus hatte Recht! Du bist eine Hexe! Du hast meine Frau verhext, dafür wirst du büßen!“ Er packte sie mit seinen fleischigen Händen und zerrte sie vor das Haus. In diesem Augenblick wich die Dunkelheit und die Sonne strahlte hell wie eh und je.
Miranda nutzte den Moment der Überraschung, riss sich los und rannte in eine Seitengasse. Hinter sich hörte sie die Rufe des Metzgers und Schritte, doch Miranda war flink und kannte sich in dem Straßennetz der Stadt aus. Immer wieder bog sie um eine Ecke, versteckte sich hinter einem Karren oder schlüpfte in eine dunkle Nische. Bald hatte sie ihren Verfolger abgehängt und lehnte sich an die Wand eines unbewohnten Hauses. Der Geruch von frischem Fisch und Salz drang in ihre Nase und zwischen den Häusern konnte Miranda das Meer sehen. Unschlüssig blickte sie sich um. Zurück konnte sie nicht mehr. Ihr Ruf als Hebamme war nun unwiderruflich geschädigt und der Metzger war ein einflussreicher Mann. Sie seufzte und ging die Gasse entlang in Richtung Hafen. Früher oder später hatte es so kommen müssen. Und nun, wo Bruder Matthäus mit seiner Predigt das Volk gegen sie aufgehetzt hatte, weil der Kirche ihr Beruf missfiel, wäre auch keiner mehr auf die Idee gekommen, sie zu rufen. Sie konnte nicht länger in dieser Stadt bleiben!
Miranda schreckte aus ihren Gedanken auf, als vor ihr der Hafen auftauchte. Einige große Schiffe lagen vor Anker, doch der Kai war wie leergefegt. Es waren wohl alle in die Kirche geflüchtet, als sich die Sonne verdunkelt hatte.
Miranda überlegte gerade, was sie nun tun solle, da fiel ihr Blick auf ein eines der Schiffe. Der Steg war unbewacht und Miranda hatte das Gefühl, als ob ihr die weißen Segel des Schiffes einladend zuwinkten.
Eine Idee verdrängte alle anderen Gedanken aus ihrem Kopf: Das Schiff war ihre Chance zu fliehen. Sie musste nur unbemerkt bleiben. Bald wäre sie weit fort von hier und keiner würde sie mehr finden!
Miranda warf einem letzten Blick über den Hafen. Aus einer der Hafenkneipen erklang kreischendes Gelächter von betrunkenen Matrosen.In einer Ecke stand ein leichtes Mädchen und zählte ihr Kleingeld, doch niemand schien sich für Miranda zu interessieren.
Mit wenigen Schritten war sie an Deck und sah sich um. Der Boden schwankte leicht unter ihren Füßen und sie musste erst einige Augenblicke stehen bleiben um sich daran zu gewöhnen. Dann bemerkte sie, dass die Tür in das Schiffinnere nur angelehnt war. Sie quietschte leicht, als Miranda hindurch schlüpfte. Ihre Schritte klangen Hohl auf dem Holz der Treppe, die hinunter in den Schiffsrumpf führte. Immer weiter folgte sie den Stufen, bis sie schließlich in dem Laderaum stand. Das schwache Licht von der Treppe ließ Miranda einige Fässer und Kisten erkennen, die sich bis zur Decke türmten und mit dicken Seilen zusammengeschnürt waren. Vorsichtig ging sie einige Schritte in den Raum hinein. Hier musste sich doch ein geeignetes Versteck finden!
Geschickt kletterte sie mehrere Fässer und Kisten hinauf bis sie sich ihren Kopf beinahe an der Decke stieß. Langsam hatten sich Mirandas Augen an das Halbdunkel gewöhnt. Was nun?
In diesem Augenblick erspähte sie einen Spalt zwischen zwei Kisten, der gerade groß genug war, um hindurch zu schlüpfen. Auf der anderen Seite angelangt erstarrte sie. Unter sich spürte sie etwas Weiches, das sich wie Decken anfühlte. Angespannt tastete sie ihre Umgebung ab. Der Hohlraum, in dem sie sich befand, mochte vielleicht ein auf zwei Schritt messen. In diesem Augenblick erklangen raschelnde Geräusche zwischen den beiden Kisten. Das Kratzen nährte sich ihr. Miranda drückte sich an die Wand und wagte kaum zu atmen. Die Geräusche wurden lauter und Miranda hörte ein leises Keuchen. Dann ging eine Kerze an.
Miranda starrte erschreckt in die weit aufgerissenen Augen ihres Gegenübers. Dunkle Haarlocken fielen dem jungen Mann in das dreckverschmierte Gesicht, über dem eine verschlissene Baskenmütze saß.
Miranda saß noch immer wie erstarrt an der Wand, da umspielte ein spitzbübisches Lächeln die Lippen des Mannes.
„Und ich dachte, ich wäre allen in diesem Laderaum.“, meinte er mit einer angenehm weichen Stimme.
„Das dachte ich auch.“ Miranda brachte nur ein leises Flüstern zu Stande. Er blickte sie stirnrunzelnd an. „Luke“, sagte er uns streckte ihr seine Hand entgegen. Zögernd schlug die junge Frau ein.
„Miranda“, flüsterte ein wenig verstört. Luke nickte leicht und wandte sich dann einer Wolldecke zu, die er vor dem Eingang befestigte.
„Damit man uns nicht entdeckt“, meinte er erklärend. „Hunger?“
Miranda schüttelte den Kopf und beobachtete weiter wie er einen bis obenhin gefüllten Sack öffnete und einen Laib Brot, Käse und Wurst neben der Kerze ausbreitete.
„Der Markt lag verlassen, das musste ich einfach ausnutzen….“, seine Stimme klang entschuldigend und er klopfte auf den Sack, der beinahe zu platzen drohte. „Die nächsten Wochen werden wir nicht mehr viel bekommen…“
Miranda blickte erschrocken auf. „ Wie meinst du das,…“, sie stockte kurz, „…Luke?“
„Na wir befinden uns hier auf der Seeschwalbe.“, er zog die Brauen hoch und ah sie verwundert an „Sie fährt in die neue Welt“
Miranda öffnete ihren Mund, schloss ihn dann jedoch schnell wieder. Die neue Welt?
„Deswegen sind wir doch hier! Dort drüben haben wir alle Möglichkeiten der Welt! Und dieses Schiff führt uns direkt dort hin…“ Seine Augen funkelten abenteuerlustig im Kerzenlicht. „Sag bloß, das wusstest du nicht?“
Miranda blickte zu Boden.
„Nun, dann bist du aber wirklich ein Glückspilz! Auf dem Weg in ein neues Leben, ohne es zu wissen. Und dann bist du auch noch auf mich gestoßen- Luke Flinkfinger, Lebenskünstler und…“, er nahm sich einen großen Bissen von der Wurst „Nun…Lebenskünstler eben…Keine Sorge, bei mir bist du sicher!“
Miranda brachte ein leichtes Lächeln zu Stande und beobachtete, wie Luke in dem Sack herumkramte und eine Flasche herauszog.
„Darauf müssen wir trinken! Auf die neue Welt, dein Glück und auf meine flinken Finger…“


19. Jan 2009, 12:06
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